Presse

Ein Egoist zum Verlieben

In den reichlich zwei Stunden, ohne Pause und wie aus einem Guss, schafft es Regisseurin Claudia Bauer, Peer Gynt vom lächerlichen Pappkameraden zu einem leidenschaftlichen und, ja, auch rücksichtslosen Selbstverwirklicher zu machen. Einen, den man mag, weil er keine Kompromisse macht. Der seinen Träumen nachjagt, sich dabei wahlweise der Lächerlichkeit preisgibt oder über Leichen geht. Ein Egoist zum Verlieben.

Schuld daran ist vor allem Bernhard Conrad, der als Protagonist eine nahezu ungeheure Präsenz entwickelt. Er allein ist die Inszenierung. Rastlos wie der Duracell-Hase denkt er, spricht er, reist er, handelt er. Sein Peer ist kein Spinner, sondern einer von uns. Nur dass er eben nicht einlenkt, wenn wir alle es tun würden. Er lässt sich nicht vereinnahmen. Er lebt seine Phantasien aus, träumt seine Probleme weg, erinnert sie weg, flieht vor ihnen in neue Träume, die doch alle in demselben münden: Dieser Mann, kein großer Sünder, aber zu böse für den Himmel, wie es bei Ibsen heißt, will ganz er selbst sein. (...)

Er zieht aus, das Glück zu finden, halb Faust, halb Mephisto: mal forschend, mal bauernschlau, mal lüstern, immer Egoist und selbst in seinen Missetaten nicht nachhaltig verachtenswert. Ebenso bemerkenswert ist, wie es der Regie gelingt, trotz der relativ deftigen alle Aktualisierungen beiläufig daherkommen zu lassen. (...) Dass Peer ein Ästhetiker im Sinne Kierkegaards ist, dem es an Ernst dem Leben gegenüber mangelt, Bauer wirft es ihm nicht vor, sondern kontert es mit Humor, mit der Leichtigkeit des 21. Jahrhunderts – Ibsen 21, könnte man sagen. (...) Komik und Tragik gehen aufs Gelungenste ineinander über, wohl dosiertes Aus-der-Rolle-Fallen macht "die vierte Wand" angenehm durchlässig. (...)

Er ist einer, der am Ende bemerkt, wie skrupellos er agierte, und doch nicht anders kann, als weiter zu träumen. Von seinem Nachruhm, den Legenden, die sich um ihn ranken werden und davon, dass es besser ist zu scheitern als sich anzupassen. Noch einmal hebt er zu Schwärmen an: über den Schlussapplaus hinaus schickt Peer Gynt seine Botschaft ins Parkett. "Alles oder nichts! Love it or hate it!" Ein Aufschrei gegen das Mittelmaß, ein personifiziertes kierkegaardsches "Entweder-Oder". Wenn's nur so einfach wäre! (...)

Großer Premierenjubel!

nachtkritik, Januar 2011

Rastloser Spinner

Der "Peer Gynt" in Chemnitz ist vor allem eins: eine grandiose One-Man-Show von Bernhard Conrad

Henrik Ibsens 1876 uraufgeführtes Stück, das am Donnerstagabend im Chemnitzer Schauspielhaus Premiere hatte, ist zunächst einmal eins: eine One-Man-Show von Bernhard Conrad. Das ist gleich in den ersten Augenblicken klar. Dieser gern als nordischer Faust bezeichnete Typ ist ja, das weiß man, nicht eben ein Held. Doch er ist noch nicht mal ein Antiheld, wie er da so schmalbrüstig, schlaksig und in unsäglichen Hochwasserhosen von seinem Ritt durch die Lüfte palavert, als hätte Piet Klocke Pate gestanden, fahrig und sich in seinen Fantasien selbst einholend.

(...) Sein irrer Blick spricht Bände, nämlich dass er schon immer wieder woanders ist, wenn er gerade erst anzukommen versucht. Conrad steht den ganzen Abend unter Strom, entwickelt eine unglaubliche Bühnenpräsenz und zieht wie ein Magnet (fast) alle Aufmerksamkeit allein an sich. Ständig in Bewegung, spiegelt sein elektrisierter Körper Peer Gynts flirrenden Geist, der Neuem, Erfolg und Sinn auf der ganzen Welt hinterherjagt. Kaiser will er werden, doch so verrückt und unreal, wie das klingt, so unweigerlich denkt man mit, was als moderner, rücksichtsloser Selbstfindungstrip allgegenwärtig ist. (...) Begeisterter Applaus.

Freie Presse, Januar 2011

Wie der tägliche Kriegsbericht im Fernsehen

Das Theater Chemnitz spielt eine streitbare, starke Fassung von Shakespeares „Macbeth”-Tragödie

...Bernhard Conrad, sein Macbeth ist ein wahnsinniger Typ, einer der erschreckend ins Leere stieren kann, dem die Zunge lüstern um die Lippen zuckt, wenn er Macht genießt. Er ist so irre, dass er gnadenlos fasziniert. Eine Bestie zum Hingucken...Starker Applaus!

Sächsische Zeitung, März 2009

Männerspiele im Mulch

Bruno Cathomas balgt sich mit „Macbeth” in Chemnitz

...Bernhard Conrad ist die Entdeckung des Abends als Mordbube Macbeth, der blanke Wahnsinn mit langer Zunge...

Chemnitzer Morgenpost, März 2009

Der Pförtner gibt den zynischen Kommentar ab

Gemetzel in Nebelschwaden: Viel Premierenbeifall für „Die Tragödie des Macbeth” im Chemnitzer Schauspielhaus

...während die Chemnitzer Band Radar live das Geschehen mit einem Klangteppich grundiert...Wenn sich Macbeth (sehr vielschichtig Bernhard Conrad) beim Tanz mit Lady Macbeth müde dreht, dann zeigen sie ohne Worte, wie zermürbend der Kampf auf dem Weg nach oben ist... Viel Beifall vom Premierenpublikum.

Freie Presse, März 2009

Start Chemnitz - Im Rhythmus der Zeit

...Kaum zu glauben, dass der schlaksig hochgewachsene Bernhard Conrad, der hier schreiend und flüsternd seine Gier nach Macht herausschreit, der gleiche ist, der als schüchterner Tusenbach („Drei Schwestern”) die zarte Irina umwirbt...

Theater heute, August/September 2009

Mordspiel in ferner Märchenwelt

„Macbeth” – Bei Bruno Cathomas in Chemnitz führen die Herren Wahnwitz & Tod Regie

...Mister Macbeth hat es nicht eben leichter erwischt... Wenn er später dann vom Blutrausch ergriffen ist, über seinen langen, dunklen Militärmantel zu stolpern droht, die Zunge auf fiese Erkundungswege über seine Lippen schickt, jede Silbe spricht, als sei sie auf der Flucht vor einem unnennbaren Schrecken, ist es fast, als habe er sich in eine sehr seltsame Weltwahnsinnsmischung verwandelt: Er leiht sich seinen Irrsinn zu gleichen Teilen bei Hamlet, Hitler und dem Hyänengetier. Keiner, der ihm diesen Irrsinn neidet...

www.nachtkritik.de, März 2009

Aus dem Schlachthaus

Es gibt einen neuen „Macbeth” in Chemnitz

...Macbeth...führt sich gar wie der „Vice”, der Narr und Spielmeister des Elisabethanischen Theaters auf. Diese antiheldenhafte Anlage findet in Bernhard Conrad freilich einen überaus überzeugenden Interpreten, der seine zahlreichen darstellerischen Mittel beeindruckend variabel abruft...

Stadtstreicher Chemnitz, April 2009

Die Tragödie des Macbeth

Schauspielhaus Chemnitz, Regie: Bruno Cathomas, Premiere war am 21.03.2009

...Mit lang anhaltenden, lautstarken Beifallsbekundungen bedankte sich das Chemnitzer Premierenpublikum bei den sich aufopfernd im Dreck schindenden Schauspielern, allen voran einem seiner Aufgabe gewachsenen Bernhard Conrad...

www.theaternarr.de, März 2009

Die Werte zerrinnen wie das Eis

„Küss mich hinter Kaufhof” – Die gelungene Uraufführung eines Gesellschaftsbildes im Schauspielhaus Chemnitz

...Conrad als Alex führt mit höchster Intensität den Zerfall menschlicher Substanz vor...

Freie Presse, Mai 2009

Gemischte Gefühle

...Zur deutschen Erstaufführung von „Ladybird” geht es gnadenlos düster zu... Und Dima glaubt gar nichts mehr...Aber ganz tief drin hat dieser Typ ein großes Herz, das Bernhard Conrad nach und nach freilegt – auch dank eines kleinen Marienkäfers, der so gar nicht in diese Tristesse passt. So bekommt die gradlinige Inszenierung von Klaus Gehre zunehmend mehr Tiefe.

Sächsische Zeitung, Oktober 2009

Nicht-Leben im Übergang

Schauspielhaus Chemnitz brilliert mit deutscher Erstaufführung von Ladybird

...Der junge Dima (die Inszenierung tragend als eigentlich schon toter Lebender: Bernhard Conrad) verbringt seinen letzten Abend zu Hause, bevor es ihn als Soldat in den Tschetschenienkrieg zieht...

ad.rem, Die unabhängige Hochschulzeitung in Sachsen, Oktober 2009

Schwächlinge in starken Bildern

Das Schauspiel Chemnitz spielt „Drei Schwestern” von Tschechow in einer beeindruckenden Fassung

...Und der Baron ist die beste Partie in diesem Kreis. Nicht bei Tschechow, aber in dieser Inszenierung – dank Bernhard Conrad. Es ist einfach grandios zu sehen, wie leise er die Situation beherrscht, wie schüchtern er um die Liebe ringt und wie unsicher er den Ausbruch aus der Tatenlosigkeit versucht...

Sächsische Zeitung, Januar 2009

Zwischen Sehnsucht und dem Willen zur Tat

Chemnitz startet mit drei Premieren und einem neuen Schauspieldirektor in die Saison

...Thomas Bischoff inszeniert Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti”... Die Figuren in dem Spiel bleiben alle ein bisschen unnahbar, schwer zu durchschauen, abgeklärt – und deshalb umso interessanter, vor allem Bernhard Conrad als begieriger wie berechnender Prinz...

Sächsische Zeitung, Oktober 2008

Irrfelsen Stuttgart: Phantasie und schöne Prinzen

”Die Erinnerung ist auf der Reise wie ein schöner Prinz”: eines der Stücke des Stadtprojekts ”Irrfelsen Stuttgart”, das im Rahmen der ”Ulysses-Reihe” am Staatstheater Stuttgart stattfand.

Stuttgart, von oben gesehen und gehört...Wir möchten immer mehr wissen, möchten träumen von Stuttgart und seinen Menschen, möchten, dass es niemals endet. Die hervorragenden Tonaufnahmen, die sehr guten, angenehmen Stimmen, die Dramaturgie, all das spielt zusammen und schafft eine perfekte Illusion für dieses urbane Panorama. Vergangenes und Gegenwärtiges, Inszeniertes und Zufälliges verschwimmen. Nach einer halben Stunde stehen wir auf und steigen benommen und ein wenig wehmütig die vielen Treppen wieder hinunter...Weiter gehts hinunter in die Probebühne des Schauspielhauses, zur zweiten Station, in den ”Bauch der Illusionsmaschinerie”... Das intensive Spiel der beiden Schauspieler (sehr gut: Bernhard Conrad und Katharina Zoffmann) hielt uns die ganze Zeit über bei der Stange, um nicht zu sagen: bei der Philosophie. Wir fühlten uns beschenkt in diesem kleinen Publikumspreis, von diesem klug-verträumten, sinnlichen, das Denken erweiternden Stück...Bernhard Conrad und Katharina Zoffmann: überzeugend.

schauplatz.org, Juli 2007

Dramatisch-komisches Nummernprogramm im Schlösschen

...Vorgestellt wurden die Drittsemester der Fachrichtung Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater von ihren Lehrern Christa Gottschalk und Friedhelm Eberle... Heraus ragte die Leistung von Bernhard Conrad. Durch gekonnte Betonung und raffinierte Pausensetzung gelang ihm eine wunderbare Interpretation von Morgensterns Gedicht „Der Sperling und das Känguruh”. Conrads erschütternde Darstellung von Remarques Erinnerungen an den ersten Weltkrieg („Der Graben”) löste beim Publikum Beklemmungen aus. Große Kunst…

Leipziger Volkszeitung, Dezember 2001

Auf zur Jagd in den Winterwald (Auszüge eines Interviews mit der Freien Presse, Chemnitz)

Schauspieler Bernhard Conrad lotet in Chemnitz die Extreme von Macbeth bis Märchenspiel aus

…die deutsch-tschechische Verfilmung von Bozena Nemcová diente in Chemnitz als Vorlage für die Bühnenfassung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”…Als Lehrer des Prinzen zieht Bernhard Conrad Tag für Tag seinen Tanzleherkostüm an und setzt zur Jagd im Winterwald eine schräge Pudelmütze auf…Mit Sinn fürs feinnervige Modellieren kommen hier Komik und Tragik einer Figur perfekt zusammen. Die artistische Leichtigkeit seines Spiels setzt diese unabdingbare Beherrschung seines Körpers voraus...Ein Spieler, geistig und körperlich flink und beweglich, in natura zurückhaltend, nachdenklich…Sein künstlerischer Tod wäre es, in eine Schublade gepackt zu werden...Will die sinnliche Arbeit mit Regisseur Bruno Cathomas („Macbeth”) ebenso wie die Ästhetik eines Thomas Bischoff („Emilia Galotti”). Sein Prinzenlehrer in „Aschenbrödel” ist das absolute Gegenteil vom Prinzen im Stück von Lessing. Diese große Spannweite darzustellen, macht den Schauspieler glücklich. Ein poetischer Kopfmensch zu sein, der Ausdruck gefällt ihm. Die Lust am Spielen macht für ihn alles aus, der Versuch, sich neu zu entdecken.

Freie Presse, Januar 2010